Chronik

Geschichte und Geschichten über die Feuerwehr

 

Josef SeeberJosef (Sepp) Seeber vulgo “Kiechl” erzählt über die Freiwillige Feuerwehr, deren Kommandant er und sein Vater jahrelang waren, ebenso sein Großvater, der als Lehrer Gründungsmitglied der Feuerwehr war:

 

In alten Zeiten kannte man die Einrichtung einer Feuerwehr im Dorf nicht. Brannte es, so war man auf Nachbarschaftshilfe angewiesen.

Einige Bauern hatten Löschkübel und Feuerhaken sowie Leitern für den Eigenbedarf im Hausflur. An der Decke im Flur des Gasthauses “Bär” und beim “Kiechl” sind die Eisenringe für das Aufhängen dieser Geräte noch zu sehen.

Im Dorf gab es erst ab 1840 eine mechanisch zu bedienende Feuerspritze, deren Anschaffung 800 fl kostete.

Sie wurde von Männern (oder eventuell von zwei Pferden) durch das Dorf zum Brandherd gezogen wurde. Dieser „Handspritzenwagen“ stand im alten Spritzenhaus nördlich des “Boar“ und war noch bis 1958 funktionsfähig, ehe er „verschrottet“ wurde.

  

Die Gründung örtlicher Freiwilliger Feuerwehren war in den 90er Jahren des 19. Jhd. im ganzen Land erfolgt. Ausschlaggebend dafür war wohl eine Anregung der Regierung nach den vielen schrecklichen Dorfbränden um diese Zeit. In Patsch war es 1894 so weit; in den alten Protokollen stehen 20 Namen der ersten Männerrunde unter ihrem Kommandanten Alois Reindl. Die technische Ausrüstung umfasste neben der Handspritze: einen Schlauchwagen, eine Aufzugsleiter, zwei Anlehneleitern, zwei Hakenleitern, vier Feuerhaken, eine Handtragehaspel, eine Rückentragehaspel, 396 m Schläuche mit Strahlrohren, sowie Helme und ein Signalhorn.

Auch die Feuermeldung blieb wie gewohnt ein “halbes” Läuten der großen Kirchenglocke (= Sturmläuten durch Einhalten jedes zweiten Klöppelschlages); neu war das Signal zum HelfeMur3 (Medium)n durch den Hornisten der Feuerwehr, der durchs Dorf lief und das Feuerhorn blies.

 

Eine neue Zeit begann mit dem großherzigen Geschenk einer Motorspritze an die Gemeinde im Jahre 1931 durch den Grafen Thurn und Taxis. Sie stellte einen Wert von 3.000 Schillinge dar (etwa 30 Monatslöhne) und war weit und breit die einzige ihrer Art. Nach Gründung einer Motorspritzenabteilung innerhalb der Feuerwehr am 22. 2. 1931 kam sie im August d. J. ins Dorf und wurde - auf einem Handwagen eingebaut - in Dienst gestellt.

Heute kann man das gute Stück mit Datumsgravuren in der Landesfeuerwehrschule in Telfs bewundern: es stammt von der Fa. Rosenbauer und hatte 2 Zylinder mit außen liegenden Ventilen, “die beim Betrieb ordentlich klapperten“, sowie einen halbkugeligen Druckhaltezylinder. Sie erbrachte eine Leistung von 20 PS und entwickelte 20 bar Druck. Die Spritze war beim Transport zum Brandplatz wieder auf die Kraft der Männer angewiesen, ein Pferdegeschirr war nicht mehr vorgesehen. Später wurde der „Spritzenwagen“ an einem Traktor angehängt, wenn der Einsatzort außerhalb des Dorfes lag.

 

Die nächste Verbesserung der Alarmierung war 1939. Auf dem Dach des “Kiechl-Bauernhauses” wurde eine elektrische Sirene angebracht. Der Auslöseknopf war im 1. Stock des Gebäudes. 1961 wurde die Sirene auf das Dach des Schulhauses verlegt. Jetzt war es jedem Bewohner möglich, vom Schulhaus aus die Feuerwehr zu alarmieren, aber es war nicht jedem klar, wie ein Alarm zu geben war. Da kam es oft zu Missverständnissen.

 

Seit 17.12. 1982 wird die Sirene auch in Patsch über Funk geschaltet. Notruf: 122. Seither gibt es den Notschalter hinter einer Glasscheibe am Schulgebäude nicht mehr. Auch die Art des Sirenentones ist heute einheitlich geregelt.

1964 wurde eine moderne „Tragespritze“ angeschafft, nachdem die alte Motorspritze beim Einsatz beim Brand in der Kehr kläglich versagt hatte.

1967 wurde das erste Feuerwehrauto angeschafft. Es war ein Landrover, der für eine Löschgruppe mit Ausrü2stung adaptiert wurde. Ebenso wurde eine zweite Motorspritze angeschafft, die in einem Anhänger mitgeführt wurde. Der Handwagen mit Schläuchen aus dem Jahre 1894 wurde 1961 außer „Dienst“ gestellt. Ein neuer Schlauchwagen mit Gummireifen diente für Einsätze im Dorf noch bis 1990.

Wassermangel waren oft der Grund für Verzweiflungstaten; die Jauchengrube des Nachbarn ermöglichte 1971 beim Brand eines Bauernhauses in den Rinnerhöfen die Rettung eines nahe gelegenen Gebäudes. Die Anschaffung eines Tankwagens wurde immer dringlicher, zumal sich auch der Einsatzbereich der Feuerwehr sehr vergrößerte. Im Jahre 1993 wurde ein modernes Tanklöschfahrzeug eingeweiht.

 

 

Ein Notstromaggregat kam am 26.4. 1982 ins Dorf, der erste Atemschutzlehrgang fand 1983 statt. Funkgeräte standen ab 1979 in Gebrauch.

Mit dem Bezug der neuen Feuerwehrhalle (1958) war das alte Spritzenhaus mit Schlauchtürmchen beim “Boar” Geschichte. Die Feuerwehrhalle wurde 1983 erweitert.

 ats1 medium

Eine Besonderheit in Patsch ist heute noch die Pflicht jedes Einwohners, eine Nachtwache im Jahreslauf im Sinne eines erhöhten Brandschutzes zu übernehmen. Diese Einrichtung muss aus alten Zeiten stammen, denn der jeweilig Diensthabende erhielt bis vor einigen Jahrzehnten eine Waffe mit dem Spruch „Die Lanze kimmt!“ in die Hand gedrückt - ähnlich jener der Nachtwächter im Mittelalter. Auf dem groben Holzschaft dieser mannslangen Waffe hatten viele Bauern ihre Holzmerkzeichen eingeschnitzt. Die Waffe ist leider verloren gegangen.

Erst im Jahr 2010 wurde diese Bestimmung mittels Gemeinderatsbeschluss aufgehoben.

 

Eine heute gut geführte Jungfeuerwehrgruppe sorgt für guten Nachwuchs in der Freiwilligen Feuerwehr Patsch.

 

Quelle:  Dorfbuch Patsch  (Oswald Wörle)

 

Chronologische Liste der großen Brände in Patsch (unvollständig):

1399       Großer Dorfbrand vernichtet alles einschl. Kirche bis auf den frei stehenden “Thommele-Hof”                                                                                                

1434      Teilbrand des Dorfes mit großem Schaden.

1699       Der “Klauden” brennt laut Hausinschrift des Jakob Kiechl am 19. Juni d. J. ab.

1707       brennt ein Seitenaltar in der Kirche. Das Hl-Geistloch musste schnell mit nassen Decken „zugestopft“ werden, weil der Mesner verbotenerweise Heu und Stroh auf dem Kirchengewölbe gelagert hatte.

1850 und 1853 brennen die Häuser des Martin Kiechl ("Schlöss­ler"), Christian Parthol ("Singer"), der Aloisia Stolz ("Tönigler") und weitere sechs Häuser („Bohrermacher“ und „Altwirt-Metzger“ an der Römerstraße ab.

1911      Brand in der Salpetersäurefabrik im Sillwerk.

1920      Der “Stindl Hof” und drei nahe gelegene Höfe (der Gatterer, Spörr und               Bodenhauser)      brennen ab.

1921      Der 400 Jahre alte “Zach-Hof“ brennt ab.gemeindehaus1 medium

1947      Waldbrand entlang der Bahnstrecke.

1963      Großbrand vernichtet vier Höfe in der Kehr.

1971      Brand des alten Hofes “Pfrauner“, Nachbarhaus gerettet.

1985      Hochwasser! Der Dorfbach fließt auf der Straße durchs Dorf.

1992       wird das alte Gemeindehaus durch einen Brand vernichtet, der “Altwirt” konnte gerettet werden.                                              

1999      Giftalarm beim Brand zweier LKW im Schönberger Tunnel.

2003      Riesiger Waldbrand an der Bahnböschung von Matrei bis Unterberg.

2007       Großer Waldbrand an der Bahnböschung unterhalb des Ahrnhofes legt den Verkehr auf der Autobahn lahm.

 

Feuerwehrkommandanten:

1914 - 1938   Johann Greier

1940 - 1942   Peter Rinner

1942 - 1948   keine Aufzeichnungen

1948 - 1978   Andreas Mair

1978 - 1988   Josef Seeber

1988 - 2008   Alois Strobl

seit 2008       Wolfgang Span

 

Feuerwehrball !!

14.10.2017

Oktober 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
25 26 27 28 29 30 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

Heute 3

Gestern 16

Insgesamt 72459